Nemrut: "Berg der Götter"

Nemrut

Nemrut

Antiochus I; mit freundlicher Genehmigung durch Maurice C (nemrud.nl) Nemrut Dag, der legendäre Berg in der Provinz Adiyaman im Südosten der Türkei, gehört zu den absoluten touristischen Highlights des Landes.
Auf 2150 Metern Höhe sind auf drei riesigen Terrassen Statuen der griechischen und persischen Götter- und Herrscherwelt verteilt. Unter einem 50 Meter hohen Schotterhügel wird das Grabmal des Königs vermutet. Die Aussicht auf dem Berg ist atemberaubend: Die Berge von Malatya und Adiyaman zeigen sich in ihrer ganzen Pracht, die zahlreichen Stauseen des Gebietes liegen einem zu Füßen

Bild links: König Antiochus (copyright: Mit freundlicher Genehmigung der International Nemrud Foundation; I.N.F.)

Das Königreich Kommagene und sein Herrscher Antiochus I.

Der Berg Nemrut - nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Berg in der Provinz Van - hat so weit bekannt nichts mit der biblischen Figur Nimrud zu tun, wie es der Name suggeriert. Nemrut trieb wohl sein Unwesen in der Nähe (nämlich in Urfa). Vielmehr handelt es sich um einen Kultplatz des kommagenischen Königs Antiochus I.

Kommagene, das war ein relativ kleines Königreich in der Südosttürkei. Manch einer der Kurden in der Gegend glaubt, es handele sich dabei um seine Vorfahren, was so natürlich nicht stimmt :-). Die bedeutenden Dokumente aus jener Zeit sind in Griechisch verfaßt worden. Antiochus I. selbst sieht seine Vorfahren bei den Persern (Darius) und bei den Hellenen (Alexander, der Große). Diese Vorfahren und andere sind auf dem Berg in Form von Statuen verewigt. Aber die Annahme, daß die jetzigen Bewohner von Kommagene abstammen, muß deswegen nicht ganz falsch sein. Zumindest eine entfernte Verwandtschaft ist durchaus realistisch, schließlich hat sich Kommagene nicht in Luft aufgelöst, sondern wurde von den Römern besiegt. Und die Römer gingen in Byzanz über, die wiederum von den türkischen Seldschuken besiegt wurden...

Die markante Spitze des Nemrut Dag ist schon von weitem erkennbar. Aufgrund dieser Eigenart kann der Besucher den Berg schon recht früh bei der Anfahrt fixieren. Doch bis er die Spitze erreicht, ist es ein langer Weg! Mal verliert er den Berg aus den Augen, mal taucht er wieder auf, und man ist nie sicher, ob man denn nun auf dem richtigen Weg ist oder nicht. Also ist Vorsicht geboten, wenn man den Berg auf eigene Faust erkunden will. Einen ganzen Tag sollte man nämlich dafür einplanen. Erst recht, wenn man nicht nur den Nemrut Dag selbst, sondern die anderen Sehenswürdigkeiten in dem gleichnamigen Nationalpark - Nemrut Dagi Milli Parki - sehen will, wie etwa Arsameia, die Residenz der Könige von Kommagene. Für die Besichtigung des Nemrut Dag und von Arsameia werden Eintrittsgelder verlangt.

Und was erwartet den Besucher auf dem Berg?

1. Natürlich die Bilder, die man aus dem Fernsehen oder aus Büchern und Zeitschriften kennt: Jede Menge großartiger Statuen, verteilt auf mehrere Terrassen. Und zwischen den Terrassen ein Schotterhügel von 50 Metern Höhe, unter dem das Grab des Antiochus I. vermutet wird. Allerdings scheiterten bisherige Versuche sich einen Weg durch den Schotterhaufen zu bahnen: Man stieß unter dem Schotter schlicht und einfach auf Fels! Wenn man sich den Schotterhügel ansieht, denkt man unweigerlich: Eigentlich ist das ganze doch eine Pyramide und liegt damit womöglich gar nicht mal so falsch.

2. Eine tolle Aussicht auf die Umgebung: Man erkennt ganz deutlich die Staudämme des GAP - des Südostanatolienprojekts. Der Südosten liegt einem zu Füßen.

Anfahrt

Es führen zwei Wege zum Gipfel: Zum einen der "reguläre" Weg über Adiyaman und Kahta, der übrigens auf den letzten Kilometern zur Tortur für Mensch und Auto werden kann. Man sollte sich gut überlegen, ob man seinem Wagen die teilweise katastrophalen Zustände auf dem "gepflasterten" Weg und den teilweise sehr steilen Anstieg zumuten soll. Ein Aufstieg mit einer der üblichen Touren samt Führung ist wohl angesichts dieser Zustände vorzuziehen. Zu bedenken ist ferner, dass die Sonne sehr stark blendet, wenn man kurz vor Sonnenuntergang den Berg besteigt.

Man sollte wie oben erwähnt viel Zeit mitbringen, wenn man den Nemrut besteigt. Auch der Fußweg auf den letzten paar Hundert Metern zum Gipfel vom Parkplatz ist "nicht ohne", wenn man in Eile ist und nicht gerade Leistungssportler ist!

Der zweite Weg führt über die Berge von Malatya. Nach der e-mail eines Lesers im Jahre 2005 zu urteilen ist die Straße von Malatya zum Nemrut inzwischen gut ausgebaut. Man sollte sich aber sicherheitshalber vor Ort gut erkundigen, bevor man losfährt.

Linktipp Nemrut

Wer erfahren will, was es mit dem ersten Horoskop der Geschichte auf sich hat oder was die Statuen im einzelnen bedeuten und ob Antiochus I. nun ein 'megalomaniac local king', also ein größenwahnsinniger Kleinkönig, wie es der Guide Turkey von lonely planet ausdrückt, oder ein doch recht gescheiter und weiser Mann war, der surfe zu www.nemrud.nl. Dies ist eine Website in Holland, betrieben von Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, diesen Berg mit seinen Statuen für weitere 2000 Jahre zu schützen: Die International Nemrut Foundation, kurz I.N.F. Eine ausgezeichnete Site mit einer Fülle von Infos und außerdem schön aufbereitet. Und das in 4 Sprachen: Türkisch, Englisch, Niederländisch und Deutsch: "Well done"!

Literaturhinweis

Der Berg der Götter, Nemrut Dağı. Das große archäologische Abenteuer in der Osttürkei von K.F.Dörner, erschienen bei Bastei Lübbe 1987. Jede Menge Infos und Bilder über Nemrut Dağı und andere archäologische Stätten in der Osttürkei. Weitere Literaturangaben sind bei www.nemrud.nl zu finden.

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